Ein wachsender Teil der Bevölkerung in Deutschland und Großbritannien macht Migration für soziale und politische Spannungen verantwortlich. Doch bei näherem Hinsehen zeigt sich: Die meisten Probleme – Wohnungsnot, überlastete Schulen, lange Wartezeiten, stagnierende Löhne, bröckelnde Nachbarschaften – entstanden lange vor größeren Zuwanderungswellen. Migration verstärkt sie nur. Der eigentliche Kern der Krise liegt in jahrzehntelanger Unterinvestition, neoliberaler Politik seit den 1980er Jahren, der Erosion sozialer Infrastruktur und eines schwindenden Vertrauens in die Demokratie. Die AfD wird dadurch sowohl zum Symptom als auch zum Problem eines Systems, das weder Korrektur noch offene Diskussion zulässt.
Vom Ideal der europäischen Einheit bis zur gegenwärtigen politischen Spannung: Dieser Essay verbindet Schiller und Beethoven mit den heutigen Herausforderungen der deutschen Demokratie. Er zeigt, wie die „Ode an die Freude“ Europas moralische Vision formte – und warum der Verlust des politischen Dialogs diese Vision heute bedroht.

