Ein wachsender Teil der Bevölkerung in Deutschland und Großbritannien macht Migration für soziale und politische Spannungen verantwortlich. Doch bei näherem Hinsehen zeigt sich: Die meisten Probleme – Wohnungsnot, überlastete Schulen, lange Wartezeiten, stagnierende Löhne, bröckelnde Nachbarschaften – entstanden lange vor größeren Zuwanderungswellen. Migration verstärkt sie nur. Der eigentliche Kern der Krise liegt in jahrzehntelanger Unterinvestition, neoliberaler Politik seit den 1980er Jahren, der Erosion sozialer Infrastruktur und eines schwindenden Vertrauens in die Demokratie. Die AfD wird dadurch sowohl zum Symptom als auch zum Problem eines Systems, das weder Korrektur noch offene Diskussion zulässt.
Eine persönliche Erinnerung an die Debattiergesellschaft einer englischen Schule führt zu einer grundsätzlichen Analyse: Debatte als Bildungsform bleibt in Großbritannien ein Privileg weniger. Der Text plädiert für einen neuen pädagogischen Humanismus, der moralische, bürgerliche und intellektuelle Bildung neu zusammendenkt.

